Von Wünschen, Glück und Zufriedenheit

Ich habe bald Geburtstag. Noch diesen Monat. Und es häufen sich die Fragen, was ich mir wünsche. Zurecht. Denn ich bekomme gern Geschenke. Und viel zu selten noch dazu. Aber ich bin ja eher der Typ Mensch, der lieber schenkt und anderen eine Freude macht. Und ich mag Überraschungen nicht so. Achso: Und ich schenke mir hin und wieder auch gern selbst etwas. Meist so 2-3 Tage vor meinem Geburtstag oder Weihnachten. Sehr zum Leidwesen meiner Familie.

Letztes Jahr wurde ich 30. Da hatte ich nicht mehr Wünsche als sonst. Ich habe mir allerdings zum ersten Mal Geld gewünscht. Auch wenn ich “sich Geld wünschen” total dämlich finde, ehrlich gesagt. Aber ich hatte vor einem Jahr einen Wunsch, den ich mir erfüllen wollte. Hab ich dann auch getan. Zu meiner eigenen Überraschung. Und es war eine gute Investition.

Dieses Jahr fällt es mir schwer, mir etwas zu wünschen. Mein letztes Lebensjahr hat mich verändert. 2 Tage nach meinem Geburtstag bekamen wir die Diagnose mit dem Herzfehler. Das hat den Begriff “Wünsche” in ein anderes Licht gerückt. Glück und Zufriedenheit stehen dabei schüchtern irgendwo im Schatten.

Ja, ich könnte mir jetzt ganz pathetisch wünschen, dass Hannah gesund wird. Aber das ist so ungewiss. Nichts greifbares. Ich hab gern Sicherheit. Zusagen. Dinge, auf die ich mich verlassen kann, die ich greifen und begreifen kann. Und die ich auspacken kann.

 

Wünsche sind subjektiv. Sie kommen aus dem Herzen und bedürfen keiner Erklärung.

Fällt es nur mir so verdammt schwer, Wünsche zu äußern? Ich möchte ja auch nicht schief angeguckt werden, weil ich es wage, riesige und teure Wünsche zu äußern. Oder verrückte Wünsche… Oder eben Herzenswünsche.
Na klar würde ich sofort wieder nach New York fliegen! Oder nochmal in Dubai mit Delfinen schwimmen. Manchmal beneide ich meinen Freundes- und Bekanntenkreis um die vielen Reisen in ferne Länder. Um die Möglichkeiten. Dann wünsche ich mir das in dem Moment auch. Aber auch das scheidet mit 2 Kindern aus. Zumindest temporär.
Wenn ich grad bei teuren Wünschen bin: Ich brauche dringend ein neues MacBook. Aber hier übertrifft die Notwendig fast den Wunschgedanken.
Aus der Kategorie Notwendigkeiten, die mich glücklich machen hätte ich noch jenes im Angebot: Ich wünsche mir zum Beispiel ein eigenes Logo für mein Blog. Oder neue Label für meine genähten Sachen. Eine Putzfrau wäre auch nicht übel oder ein Fensterputzer.

Übrigens: Vorhin habe ich mal gerade heraus einen Wunsch geäußert: “Ich wünsche mir doch einen Plotter.” Antwort: “Du machst mich fertig!”
Ich möchte meine Wünsche weder erklären noch rechtfertigen müssen. Und ich möchte auch keine Wunschzettel schreiben, auf denen ich meine Wünsche stichpunktartig und in preislicher Realisierbarkeit sortiere. Die Erfahrung zeigt, dass ich davon doch kaum was geschenkt bekomme. Dann lasse ich es lieber gleich.
Ich mache es meinem Umfeld nicht wirklich leicht, mich zu beschenken. Man könnte mir auch unterstellen, dass ich zu anspruchsvoll bin oder zu hohe Erwartungen habe. Aber mal im Ernst: Ich freue mich mehr, wenn ich merke, dass sich jemand Gedanken gemacht hat, was mir gefallen könnte. Wenn jemand kreativ ist oder auch mit geringem Aufwand kleine Leidenschaften erfüllt.

 

Äußere Wünsche mit Bedacht – Sie könnten erfüllt werden!

Kürzlich habe ich beschlossen, mich aus einem Flugzeug zu stürzen. Mit Fallschirm natürlich. Sicher ist sicher. 😉 Der Gedanke macht mich ganz besessen. In der Realität habe ich wahrscheinlich schon die Hosen voll, bevor ich überhaupt das Flugzeug sehe.
Aber schenken lassen möchte ich mir das auch nicht wirklich. Man stelle sich nur einmal vor, dass etwas schief geht. Wie mag sich der Schenkende dann fühlen…?

Was soll ich mir also wünschen? Wenn ich ehrlich bin: Ich habe alles, was ich früher immer haben wollte. Einen Mann, 2 Kinder, eine Katze, ein Auto, ein eigenes Haus mit Garten… Ok, dass Auto und Haus der Bank gehören, darüber sehen wir jetzt mal mit einem Augenzwinkern hinweg.
Zufrieden bin ich trotzdem nicht. Und glücklich manchmal auch nicht. So ist das eben mit mir.

Bevor jetzt hier die Zeigefinger erhoben werden: Ja, das ist alles eine Frage der Einstellung. Und der eigenen Betrachtungsweise. Ich hab ja ziemlich oft die Gedanken “Warum wir? Warum mein Kind?”. Immernoch. Selbst nach fast einem Jahr. Aber neulich im Herzzentrum lagen wir neben einem Jungen, der auf ein Spenderherz wartet. Da verschieben sich die Relationen plötzlich. Da habe ich meine mikrokosmische Gedankenwelt verlassen und zum ersten Mal gedacht, wie dankbar ich bin, dass es Hannah so gut geht, dass sie den Weg bis hier so problemlos gemeistert hat. Da fühlte ich mich geerdet. Und ganz bescheiden. Wünschen wollte ich mir in dem Moment gar nichts mehr. Weil jeder meiner Wünsche so lächerlich erscheint nebem dem, was sich die Eltern des anderes Kindes wünschen.

Ein Wunsch nach Ruhe. Einer kleinen Auszeit.

Geburtstag hin oder her. Einige Wünsche sind schlichtweg von niemandem erfüllbar. Andere zu teuer oder zu verrückt. Und wieder andere eigentlich ganz banal: Der Wunsch nach Ruhe. Erholung. Abschalten. Ordnung. Sicherheit und Geborgenheit. Manchmal auch nach Alleinsein. Was mir wirklich fehlt ist Zeit. Zeit für mich, um die Dinge zu tun oder zu genießen, die mich glücklich machen. Kennt ihr bestimmt.

Aus: Was ich liebe… © Jessika Rose

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