Geburtstags-Melancholie

Silvester und der Tag vor meinem Geburtstag haben eines gemeinsam: Ich werde meist still, ziehe mich zurück und lasse das letzte (Lebens-) Jahr Revue passieren. “Völlig überzogen!”, mögen die einen jetzt behaupten. Aber ich nehme mir das ja nicht vor. Meist überkommt mich zu diesen beiden Ereignissen eine Melancholie, die sich bereits Tage vorher leise anschleicht. Seit ein paar Tagen legte sie immer wieder ihre Hand auf meine Schulter und sagte, ich solle ruhig den Mut haben und stehenbleiben. Nur einen Moment, um innezuhalten und zu sehen, wie sich mein Leben im letzten Jahr noch einmal verändert hat.

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Ich bin stehengeblieben. Und ich habe mir Zeit genommen, um mir die letzten 12 Monate in Erinnerung zu rufen. Während ich letztes Jahr noch schrieb, dass 30 gar nicht so übel waren, fürchtete ich dieses Jahr schreiben zu müssen, dass 31 ungefähr so rund liefen, wie ein Dreieck. Das war nicht mein Jahr. Die Hochs waren nicht so hoch wie im Jahr davor, die Tiefs dafür umso tiefer. Ich war oft traurig, mit mir und meinen Gedanken allein. “Ob ich glücklich bin?” habe ich mich oft gefragt. Ich fürchte, ich war es nicht oft. Und ich fürchte, dass ich es meinen Mitmenschen damit umso schwerer gemacht habe.

Aber auch, wenn diese Erkenntnis wehtut – sie hat etwas Wundervolles bewirkt! Ich bin stehengeblieben, um zurückzuschauen. Und ich habe dabei Momente gefunden, ja teilweise sogar längst Vergessenes wiederentdeckt, das mich jetzt, heute – frisch angekommen im neuen Lebensjahr, glücklich macht! Denn wenn ich genau hingucke, war das letzte Lebensjahr gar nicht so schlecht, wie es sich manchmal anfühlte!

Letztes Jahr haderte ich oft und lange mit Hannah’s Krankheit. Kurz vor meinem Geburtstag schrieb ich damals: “Vorgestern, gestern und immer wieder frage ich mich, ob diese Tage – mein Geburtstag und unser Hochzeitstag – irgendwann wieder frei davon sein werden. Dass es irgendwann wieder nur MEIN Geburtstag ist und nicht der Tag, an dem ich 30 wurde und keine Ahnung hatte, was 2 Tage später passieren wird. Dass der 26. September irgendwann wieder der Tag ist, an dem wir 2009 geheiratet haben und nicht der, an dem wir stumm vor Fassungslosigkeit auf diesen riesigen Ultraschallmonitor starrten und die niederschmetternde Diagnose hörten, dass unser Baby krank ist.” Heute, ein Jahr nach diesen Gedanken und  zwei Jahre nach der Diagnose, kann ich sagen, dass mein Geburtstag wieder MEIN Geburtstag ist. Und was noch besser ist: Ich habe, bis ich diese Zeilen las, nicht daran gedacht, an welchem Tag wir damals die Diagnose bekamen. Der 26.09. ist wieder “nur” unser Hochzeitstag.
Hannah’s Herzfehler ist nebensächlich geworden. Natürlich denke ich oft daran. Aber nicht mehr täglich. Wir sind endlich in der Normalität angekommen, nach der ich mich damals immer sehnte.

Letztes Jahr habe ich mir zu meinem Geburtstag Dinge gewünscht, von denen ich rückblickend ziemlich viel erreicht bzw. bekommen habe! Mein Blog hat ein komplett neues Design bekommen! Mehr als nur das von mir gewünschte Logo!

Ich war in New York! Allein! Ohne Mann, ohne Kinder! Verdammt JA! Ich war endlich wieder in New York und merke gerade, wie mich das Fernweh packt!

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Ich habe mir gewünscht, Fallschirm zu springen und habe es tatsächlich nicht nur einmal, sondern schon zweimal gemacht! Wer hätte DAS vor einem Jahr gedacht?! Und ganz ehrlich? Wenn ich könnte, würde ich sogar die Lizenzspringer-Ausbildung machen! Ich bin nur schlappe 2500€ davon entfernt! 😉

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An der Sache mit der Putzfrau arbeite ich noch und das Fensterputzen habe ich zwischenzeitlich selbst übernommen – auch wenn man davon leider gar nichts mehr sieht!

Ich hatte mir gewünscht, irgendwann einmal für die ELTERN zu schreiben. Dass das irgendwann schon so bald kommen würde und ich nun meinen Artikel in den Händen halte – das hätte ich mir vor einem Jahr nicht träumen lassen! Ich darf mich jetzt offiziell freie Autorin nennen. Und das ist vielleicht sogar erst der Anfang…!

Das letzte Lebensjahr hat mir wieder einmal mehr gezeigt, dass sich Türen öffnen, wo andere unerwartet zufallen. Ich habe meinen Job verloren und es hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Aber so langsam glaube ich, dass das vielleicht das Beste war, was mir passieren konnte. Ich weiß noch nicht, wohin mich das nächste Lebensjahr treiben wird. Aber mein Bauch beruhigt sich langsam und mein Instinkt wird immer lauter, dass da etwas Großartiges, Spannendes vor mir liegt! Wir dürfen also alle gespannt sein!

2 Kommentare on Geburtstags-Melancholie

  1. Silke/Mama
    28/09/2015 at 11:31 (4 Jahren ago)

    Ich hab dich lieb. Deine Mama

    Antworten
  2. Kati 25
    11/10/2015 at 13:47 (4 Jahren ago)

    Hallo liebe Jessy, endlich hab ich deinen Blog wieder entdeckt und möchte dir sagen wie wundervoll er geworden ist. Ich freu mich zu lesen das es euch so weit gut geht und finde mich in manchem wieder (wie das Datum der Diagnose – damals bei Louis) wieder. Ich hab oft an euch gedacht und werde mir Montag gleich die neue Eltern kaufen um von euch zu lesen! Glg Kati 25

    Antworten

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