Die Elternzeitfalle – Ein Erfahrungs-Potpourri

© Gerald Schmidt

 

Unsere Tage sind gezählt. Heute in 3 Wochen ist mein erster Arbeitstag.
So einzigartig unsere Babys und natürlich wir Mütter auch sind – eines haben wir alle gemeinsam: Naht das Ende der Elternzeit und somit unsere Rückkehr ins Berufsleben, würden wir uns am liebsten den kleinen Hosenscheißer schnappen und ganz weit weglaufen. Während man am Anfang der Elternzeit noch leichtfertig über deren Länge und das irgendwann in weiter Ferne liegende Ende lächelt, ist einem mit dem immer lauter werdenden Ticken der Elternzeituhr von Tag zu Tag mulmiger zumute. Denn als Frau schnappt nach genommener Auszeit gern mal die bekannte Elternzeitfalle zu.

Eines vorweg: Ich bin ein klassischer Workaholic, der sich immer Kinder wünschte. Ein schwarzer Schimmel in der Berufswelt sozusagen. Bis zur Geburt unserer Großen habe ich phasenweise 7 Tage die Woche durchgearbeitet. Dann folgte die große Leere im Mutterschutz. Man gab mir gut gemeinte Tipps, die Tütensuppen nach Verfallsdatum zu sortieren. Aber ich saß nur da, wusste nichts mit mir und meiner Freizeit anzufangen und arbeitete anfangs sogar noch von zu Hause weiter. Dann kam das Baby und die Zeit stand still. Ich fragte mich, wie ich ein Jahr, EIN JAHR in dieser Einöde namens Zuhause überleben sollte – ohne meinen geliebten Job. Die Wochen und Monate vergingen und meine Einstellung schlug ins Gegenteil um. Auch das haben wir Mütter gemeinsam. Naht das Ende der “bezahlten Freizeit” (wie böse Zungen behaupten), hinterfragt man sich gern und vor allem oft, ob man denn noch an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren möchte. Ich wurde wehmütig und hoffte, irgendwann nochmal in Elternzeit gehen zu können.
Meinem Arbeitgeber rannte ich damals schon Monate im Voraus hinterher, um zu klären, wie sich mein Wiedereinstieg gestalten könnte. Ich gehöre blöderweise der Gattung “perfektionistischer Gutmensch” an und überlasse nur selten und äußerst ungern etwas dem Zufall. Als ich in den Mutterschutz ging, suchte ich lange im Voraus eine Vertretung, arbeitete sie ein (sie kam nahtlos mit meinem Weggang aus ihrer Elternzeit) und war mir sicher, beruhigt mein Team in fremde Hände geben zu können. Getreu dem Motto “wie du mir, so ich dir – nur andersrum” habe ich das natürlich auch erwartet, als ich aus der Elternzeit kommen sollte. Ziemlich naiv, wie sich damals herausstellte. Denn meine Bitten nach einem Termin wurden ignoriert und sage und schreibe EINE Woche vor meiner Rückkehr erhört. Zu dem Termin mit meinem damaligen Chef kam auch die Personalchefin dazu… Was dann passierte, war eine Farce. Ich erspare uns die Details. Das Unternehmen habe ich verlassen. Freiwillig und mit einem gut geschnürten Paket, denn kündigen konnte und durfte man mich nicht, weil ich mit 30 Wochenstunden noch in Elternzeit geblieben wäre.

© Gerald Schmidt

Was folgte war große Ernüchterung. Mit einjährigem, frisch eingewöhnten Kita-Kind den Arbeitsmarkt betreten zu wollen war, gelinde ausgedrückt, nicht so ein Kinderspiel, wie ich es mir vorstellte. Da saß ich also in der Elternzeitfalle.
Ich fand recht schnell einen Job, schließlich hatte ich auch keine Wahl. Wir hatten immerhin gerade ein Grundstück gekauft und wollten bauen.
Ich fing an zu arbeiten, vollzeit, war glücklich, arbeite buchstäblich Tag und Nacht, da ich Partner in Asien, den USA und Europa betreute, bekam mehr Verantwortung in Aussicht gestellt und diese nur wenige Tage später wieder entzogen, weil ich ein Kind hatte. So die ehrliche Begründung meiner kinderlosen Vorgesetzten. Als sie mir vor einem Kunden ihren Fehler in die Schuhe schob, habe ich gekündigt. Jedoch nicht, ohne einen neuen, besseren Job zu haben.

Und wieder fing ich bei Null an. Allerdings in einer interessanten Firma und als Bereichsleitung. Dort spielte es zum ersten Mal keine Rolle, dass ich ein Kind hatte. Ich tat das, was ich kann: Ich restrukturierte eine komplette Abteilung und sorgte dafür, dass Motivation und Qualität dabei nicht auf der Strecke blieben. Die Firma wurde nach einem halben Jahr in die Insolvenz geschickt. Ich kam in der Schwesterfirma unter, war aber nicht glücklich. Also suchte ich erneut und fand meinen jetzigen Job in einem deutschen Unternehmen, das Tochter eines französischen Weltkonzerns ist. Kinder waren kein Problem. Schon gar nicht bei den Franzosen! Ich kam in der Anfangsphase, betrat oft als erste das Büro und ging genauso oft auch als letzte nach Hause. Ich baute meinen kompletten Bereich von der Pieke an auf und war endlich wieder angekommen in einer großen Familie.
Ohne meine eigene große Familie wäre das organisatorisch nie möglich gewesen, denn die hielt mir den Rücken frei, damit ich voll-vollzeit arbeiten gehen konnte. Ich brachte unsere Große morgens in die Kita und kam oft erst spätabends nach Hause. Da mag man mir Rabenmuttertum vorwerfen, aber warum sollen Mütter nicht auch das tun dürfen, was sonst gewöhnlich nur den Vätern zusteht – dem besser bezahlten Job nachgehen?! Ich halte ja grundsätzlich nichts von stigmatisierten Rollenverteilungen.

Da war ich nun in meinem Job, glücklich, zufrieden, erfolgreich – und wurde nach einem Dreivierteljahr in dem Unternehmen schwanger. Zugegeben, das kam für meine Firma und mich gleichermaßen überraschend. Ich erfuhr, was es heißt, wenn einem als schwangere Frau ein männlicher Kollege für eine in Aussicht gestellte höhere Position vorgezogen wird. Das war enttäuschend und frustrierend. Aber am Ende vielleicht auch Schicksal, denn kurz darauf bekamen wir die Diagnose mit dem Herzfehler der Kleinen und ich wurde ins Beschäftigungsverbot geschickt.

© Gerald Schmidt

Nach meiner ersten Elternzeit und den anschließenden Erfahrungen beim Wiedereinstieg schwor ich mir, nie wieder für 12 Monate oder sogar länger aus dem Berufsleben auszusteigen. Noch zu Beginn meiner 2. Schwangerschaft war ich mir sicher, nur maximal 4-5 Monate Auszeit zu nehmen. Aber dann nahm mir die Diagnose mit dem Herzfehler meine Entscheidung ab.
Trotz meiner Angewohnheit, nichts dem Zufall zu überlassen, habe ich mir kein Zwischenzeugnis ausstellen lassen. Dämlich, wenn ich mir die heutige Lage anschaue.
In 3 Wochen sitze ich nach knapp 15 Monaten wieder an meinem Schreibtisch – vollzeit natürlich. Das heißt: An irgendeinem Schreibtisch. Denn was mich erwarten wird, kann ich noch gar nicht sagen. Aber sie freuen sich auf meine Rückkehr. Immerhin klingt das besser als damals vor 3,5 Jahren. Trotzdem: Das mulmige Gefühl bleibt.

7 Kommentare on Die Elternzeitfalle – Ein Erfahrungs-Potpourri

  1. An-Kas
    05/01/2015 at 20:33 (5 Jahren ago)

    Das hört sich ja ganz typisch und gemein an. Nicht schön, das so etwas eher die Regel als eine Ausnahme zu sein scheint.<br />Ich fange nächsten Monat auch wieder an. Wenn meine Tochter gerade acht Monate alt ist.<br />Da wird mir auch schon ziemlich bange, wenn ich daran denke. Aber ich habe das schon so in der SS geplant und kann irgendwie keinen Rückzieher mehr machen.<br />Meine Kollegen

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  2. Yvonne
    05/01/2015 at 21:23 (5 Jahren ago)

    In dem ersten Teil, erkenne ich mich voll wieder. Ich habe auch sehr gerne gearbeitet und will immer alles 100%ig machen. Konnte meine Vertretung leider nicht mehr einarbeiten, da ich die letzten Wochen krankgeschrieben wurde. <br />Finde es zur Zeit sehr schön mich um unsere Maus zu kümmern, freue mich aber auch immer wenn meine Kolleginnen oder mein Chef anrufen, weil sie meine Hilfe oder

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  3. ganznormalemama
    05/01/2015 at 21:24 (5 Jahren ago)

    Meine Elternzeit nähert sich auch gerade dem Ende. Es ist das zweite Kind, von daher sollte man meinen, dass man irgendwie Routine hat… ich bin mir auch sicher, der Kleine wird sich schnell bei der Tagesmutter eingewöhnen. Aber trotzdem geht da einfach so ein Abschnitt zu Ende. Ich habe auch während der Elternzeit gearbeitet und bin freiberuflich tätig (Journalistin und habe in der Elternzeit

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  4. Mama Notes
    05/01/2015 at 21:29 (5 Jahren ago)

    Ich wünsche Dir alles Gute für Deinen zweiten Wiedereinstieg, eine spannende Aufgabe, eine Position, wie Du sie Dir wünscht und vorallem Spaß bei der Arbeit! &lt;3

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  5. Mama Schulze
    07/01/2015 at 10:47 (5 Jahren ago)

    Vielen Dank, dass Du Deine bisherigen Erfahrungen teilst! Ich drücke Dir alle Daumen, dass Du eine gute Aufgabe bekommen wirst, die Dir Spaß macht! LG Julia aka Mama Schulze

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  6. Katarina
    08/01/2015 at 21:12 (5 Jahren ago)

    Ich kann dazu gar nicht so viel beitragen, weil meine Rückkehr in den Job damit beendet wurde, dass wir keine Betreuungsplätze für unsere Kinder gefunden haben die Schichdienst BEIDER Eltern mitmachen. <br />Aber Christiane hat grade darüber gebloggt auf Style Mom, vielleicht ist das für dich Interessant? (Ich habe über meins auch länger gebloggt aber im Prinzip ists so wie oben geschrieben und

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  7. Anonymous
    09/01/2015 at 13:19 (5 Jahren ago)

    Interessanter Artikel. Mir erging es auch so, dass ich mich fast nicht zu beschäftigen wusste. Ich hatte jetzt 2o Monate Karenz und bin jetzt im Jänner wieder in das Berufsleben eingestiegen.<br /> Zum Glück in meiner alten Abteilung, aber ich sage es ganz ehrlich, man hat mich auch bis zum 1. Arbeitstag (diese Woche) hängen lassen sprich ich konnte keine Zeiten abstimmen und somit der Krippe (wo

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