Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Erschöpfend? Machbar? Oder doch eine Lüge?

Anfang Januar schrieb ich, kurz vor der Rückkehr in meinen alten Job, über die sogenannte Elternzeitfalle. Ich machte mir Gedanken, wusste nicht, wie es werden würde und fürchtete das gleiche Erlebnis, wie nach meiner ersten Elternzeit.
Nun, 2 Monate, eine Kitaeingewöhnung, eine Kündigung und einen neuen Arbeitsvertrag später, kann ich eine erste Bilanz ziehen. Die letzten Wochen drehte sich alles um Kitaeingewöhnung, die Rückkehr in den Job, grippale Infekte, Magen-Darm-Infekte, einen Jobwechsel und das tägliche Jonglieren, wer die Kinder zur Kita bringt und wieder abholt. Alles gar nicht so einfach. Dabei soll es ja sowas wie Vereinbarkeit geben.

Aller Anfang ist schwer

Ich startete Ende Januar wieder mit 40 Stunden und hatte das unsagbare (Organisations-) Glück, dass mein Mann zu dieser Zeit seine 2 Elternzeitmonate nahm. Ich brachte morgens die Große in die Kita und fuhr direkt weiter ins Büro. Mein Mann kümmerte sich um die Kleine und machte die komplette Kita-Eingewöhnung mit ihr. Er holte sie ab, ging einkaufen, machte den Haushalt und das Abendessen. Wenn ich abends nach Hause kam, überfielen mich 2 müde und übelgelaunte Kinder, eines lauter schreiend als das andere, meine Aufmerksamkeit fordernd.

Mama kommt nach Hause

Es folgte ein gestresstes Abendessen, ein anstrengendes und meist stundenlanges ins Bett bringen der Kinder und dann kamen die üblichen Pflichten. Von den wachen Nächten rede ich erst gar nicht. So sehr ich meine Kinder liebe und mich auf sie freute, so groß war auch mein Bedürfnis, beim Nachhausekommen gleich wieder rückwärts das Haus zu verlassen, um einen Moment für mich zu haben und durchatmen zu können.

Die Grundsatzdiskussion: Oh Gott, du arbeitest 40 Stunden?

Ich arbeite vollzeit, weil ich vollzeit arbeiten will. Weil ich mehr bin, als “nur” eine Mutter. Ich arbeite leidenschaftlich gern und ich finde es wichtig, Ansprüche an mich selbst zu haben, geistig dabeizubleiben, mich persönlich weiterzuentwickeln und Erfolg zu haben. Ich bin nicht die Hausfrau, deren Radius sich ausschließlich um Heim, Herd und Kinder dreht. Das war ich nie und das werde ich auch nicht mehr werden*. (*Anmerkung, nachdem mich einige böse Nachrichten erreicht haben: Ich verurteile keine Hausfrau, die diesen, für sie richtigen Weg gewählt hat. Ich sage lediglich, dass es NICHT mein Weg ist.)

Und weil ich diesen Anspruch an mich habe, kündigte ich keine 2 Wochen nach der Rückkehr in meinen alten Job meinen sicheren und unbefristeten Arbeitsvertrag, um mich neuen, spannenden Aufgaben zu widmen und einen Job anzutreten, bei dem man mir trotz (oder vielleicht auch wegen?) der Tatsache Mutter zu sein eine große Verantwortung übergibt.

Ich finde es schade, dass man sich in der heutigen Gesellschaft, primär jedoch vor anderen Müttern (seien es die direkten Wegbegleiterinnen oder ältere Generationen), dafür rechtfertigen muss, dass man arbeiten gehen und “Karriere machen” möchte und das in einem für die “Gesellschaft” offenbar inakzeptablen Zeitrahmen auch tut. Wie oft musste ich mir anhören “Deine armen Kinder!“, “Warum hast du Kinder, wenn du nichts von ihnen hast?“, “Die armen Kinder werden den ganzen Tag in die Kita abgeschoben.
Bitte akzeptiert, dass dieser Weg, den neben mir so viele gehen, genauso richtig ist, wie all die anderen möglichen Wege.

Ich heilige meinen Weg nicht. Ich hinterfrage ihn regelmäßig, bin unzufrieden und manchmal auch unglücklich und erschöpft. Natürlich träume ich auch davon, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen, etwas weniger zu arbeiten, aber am Monatsende trotzdem das gleiche Geld auf dem Konto zu haben. Aber das sind Luftschlösser. Bei uns zu Hause ist das klassische Rollenbild vertauscht. Ich habe den besser bezahlten Job, ich arbeite mehr, Ende. Und wir haben ein Lebensmodell gewählt, bewusst gewählt möchte ich dazu sagen, das bestimmte Risikofaktoren oder Träumereien der Selbstverwirklichung ausschließt. Wir haben ein Haus, ein Grundstück – Freiheiten für unsere Kinder, die es eben notwendig machen, dass wir beide vollzeit arbeiten. Und selbst wenn all das nicht wäre, sind wir immer noch mehr als nur Mutter und Vater. Und das muss irgendwie mit der gewollten Familie in Einklang gebracht werden. Das ist der Moment, in dem die große Unbekannte die Bühne betritt.

Was war Vereinbarkeit doch gleich?

Überall liest man von ihr. Sie umgibt etwas mystisches, geheimnisvolles, bewundernswertes. Jeder hat von ihr gehört, aber keiner weiß so recht, was eigentlich wirklich dahinter steckt – hinter dieser Vereinbarkeit. Außer denen vielleicht, die an ihr gescheitert sind.

Kommen wir gleich zur Sache: Vereinbarkeit existiert nicht in Reinform. Was medial von ihr propagiert wird, ist die eierlegende Wollmilchsau.
Ich las kürzlich einen sehr interessanten Artikel, in dem es heißt

Vereinbarkeit ist der Fetisch unserer Zeit. Alles muss vereinbar sein: Arbeit und Freizeit, Gelderwerb und Selbstverwirklichung und – natürlich – Beruf und Familie, Kinder und Karriere.

Wer letzteres vereinbaren möchte, arbeitet mit aller Kraft gegen die Mühlen der Logik. Kinder brauchen Zuwendung. Diese benötigt Zeit. Zeit, die woanders fehlt. Bei der Arbeit, bei der Freizeit, bei der Selbstverwirklichung. Der Tag hat nunmal nur 24 Stunden und der Mensch nur 2 Arme. Vereinbarkeit bedeutet Abstriche und irgendwo auch Erschöpfung.

Vereinbarkeit ist harte Arbeit und irgendwas bleibt immer auf der Strecke

Wir sind in dem “Alles ist möglich-Zeitalter” angekommen. Immer wieder lesen wir, wie einfach diese Vereinbarkeit ist, wenn nur die Rahmenbedingungen stimmen würden.
Die Wahrheit ist: Vereinbarkeit ist harte Arbeit, ein Organisationskampf, den man allein nicht gewinnen kann und bei dem immer etwas auf der Strecke bleibt.

Vereinbarkeit wird gern mit sozialen Forderungen verwechselt, sei es, dass Arbeitgeber flexible Arbeitszeitmodelle erschaffen sollen oder der Staat finanzielle Einbußen besser kompensiert.
Richtig ist natürlich, dass es mir das Leben unnötig schwerer macht, wenn ich starre Arbeitszeitmodelle habe, die Möglichkeit auf Homeoffice oder Gleitzeit versagt wird und ich die gesamte Work-Life-Balance um ein starres Gerüst stricken muss.

Erschwerend kommt noch dieser unausgesprochene Leistungsdruck für Mütter dazu, dass Kinder im Berufsleben als Makel angesehen werden. “Die fällt doch eh aus, wenn die Kinder krank sind.“, “Na, ob die überhaupt so leistungsfähig ist, wie ihre kinderlosen Kollegen?” Die Antwort ist: Ja, ist sie! Denn sie kann vieles im Schlaf, das meiste parallel. Sie versteht etwas von Organisation, Struktur und Durchsetzungskraft. Vor allem aber ist sie belastbar und darauf fokussiert, Herausforderungen zu meistern.

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Vereinbarkeit, wie sie immer wieder propagiert wird, ist und bleibt eine Lüge. Und trotzdem ist sie irgendwie möglich, solange alle an einem Strang ziehen. Und je besser die sozialen Bedingungen sind, desto einfacher ist die Organisation im engeren Sinne. Aber dennoch wird dieses mediale Neuzeitgespenst ein täglicher und immer wiederkehrender Kampf aus Zeitfenstern, Terminen, Druck und Abstrichen sein. Was viele nicht zugeben: Der Versuch, Familie und Beruf zu vereinbaren, erschöpft.

Vereinbarkeit funktioniert mit einem Netz aus Familie und Freunden

Ich war vor einigen Wochen vom Coca Cola Happiness Institut zu dem Workshop “We are Framily” nach Hamburg eingeladen worden, um diese große Vereinbarkeitsfrage gemeinsam mit anderen Bloggern und Journalisten zu diskutieren. Trends zeigen, dass Freunde im täglichen Organisationskampf immer wichtiger werden und oft da einspringen, wo vielleicht keine Familie (mehr) zur Stelle ist. Wir diskutierten an jenem Vormittag den Stellenwert von Freunden und Familie (friends and family wird zur #CokeFramily) sowie die Möglichkeiten und Fallstricke der Vereinbarkeit. Und auch hier zeigte sich ein weiteres Mal: Vereinbarkeit ist nur möglich, wenn Flexibilität im Job, Rückendeckung und ein sicheres Netz aus Freunden und Familie zusammentreffen.

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Um auf meine eingangs erwähnte Grundsatzdiskussion zurückzukommen: Mein Mann und ich arbeiten beide vollzeit. Das ist allerdings nur möglich, weil wir eine große Familie und Freunde haben. Ein Netz, das um uns gestrickt und so eng organisiert ist, dass unsere Kinder versorgt sind und wir arbeiten gehen können, damit Rechnungen und Kredite bezahlt werden. Und natürlich auch, damit wir uns, jeder nach seinem Maßstab, verwirklichen können. Nicht zu Lasten unserer Kinder. Jeder Tag ist streng eingetaktet.

Bevor Hannah geboren wurde, lief es so: Ich brachte Emma in die Kita und meine Mutter, Schwiegermutter und Oma, manchmal auch meine Tante, holte sie spätestens um 15 Uhr aus der Kita und verbrachte den Nachmittag mit ihr, bis wir abends nach Hause kamen. Ein Tag in der Woche gehörte mir. Dort arbeitete ich nur bis 14 Uhr, um pünktlich eine Stunde später in der Kita zu sein. So lief es in Theorie und Praxis reibungslos, auch wenn die nicht erbrachten Arbeitsstunden des einen Tages auf die restlichen 4 Tage verteilt werden mussten.

Meine aktuelle Vereinbarkeitsproblematik besteht darin, die Omas in das neue Prozedere mit 2 Kitakindern einzugewöhnen. Gar nicht so einfach. Vor allem nicht, wenn eines der Kinder noch nicht läuft und spricht.
Ich bin dankbar, diese Möglichkeiten zu haben. Und ich habe eine fast ehrfürchtige Hochachtung vor all jenen, die entweder alleinerziehend sind und/oder keine Familie vor Ort haben, um diese Rückendeckung zu bekommen, die es mir persönlich ermöglicht, die Mutterbühne für 10 Stunden zu verlassen und mich nur auf den Job und “meine Karriere” zu konzentrieren. Es macht mich zufrieden und auch ein kleines bisschen stolz, dass dieses Konstrukt so funktioniert. Aber es ist auch unheimlich erschöpfend, weil bei der wenigen übrigbleibenden Familienzeit die Nerven oft blank liegen. Die Kinder und wir sind vom Tag erledigt. Wenn sie im Bett sind, rufen die bekannten Pflichten, ehe man wirklich zur Ruhe kommt. Die Zeit für sich selbst und die eigenen Bedürfnisse bleiben bei dieser gelebten Vereinbarkeit meist auf der Strecke. Bei aller Vereinbarung hinterfrage ich dennoch immer wieder, ob das für alle Beteiligten wirklich der richtige Weg ist.

Alles ist eben nicht möglich. Und das vereinbarte Konstrukt funktioniert auch nur stabil, solange kein Infekt, keine Betreuungsausfälle oder unvorhergesehenen Katastrophen dran rütteln. Dann heißt es Luft anhalten, Augen zu und durch. Dann muss eine Lösung gefunden werden, mit der Mann, Kinder, der Arbeitgeber und am Ende man selbst zufrieden sind. Aber das ist dann auch nur noch ein Kinderspiel im täglichen Zirkus Vereinbarkeit.

 

9 Kommentare on Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Erschöpfend? Machbar? Oder doch eine Lüge?

  1. Katarina
    04/03/2015 at 18:23 (3 Jahren ago)

    Moin Jessika,

    Jetzt habe ich schon fast wieder vergessen was ich getippt hatte, bevor das Internet meinen Kommentar gefressen hatte… *grübel*

    Achja: Ich schrieb das ich es super finde wie du es machst! Ich glaube nämlich das Kinder nur dann glücklich sind, wenn ihre Eltern es auch sind. Kinder die mitbekommen wie sehr Mama/Papa eigentlich lieber arbeiten gehen wollen und unglücklich mit der Situation sind, sind genauso traurig wie Kinder die mitbekommen das ihre Eltern nur arbeiten obwohl sie eigentlich was anderes wollen. Nicht zu vergessen auch, dass nicht jeder “zum Spaß” arbeite geht sondern man auch einfach Geld verdienen muss. Natürlich kann man jetzt sagen “wenn man das will, dann schafft man das auch, man muss halt Abstriche machen”, aber ich persönlich finde irgendwann hören die Abstriche auch auf und wenn das nur der Punkt ist an dem man in Suburbia eben ein Auto haben will, weil man nicht mit dem fieberkranken Kind zu Fuß oder mit dem Bus zum Kinderarzt will. Auto fängt mit “au” an und will demensprechend auch unser Geld. Das nur als Beispiel.

    Ich selber bin keine Vollzeit-Job-Mama. Mir fehlt da das “Karriere Gen” sage ich immer. Vor den Kindern war ich schon nicht besonders Ergeizig und wollte “Karriere machen” sonder ich war immer mit Status Quo zufrieden. Seit die Kinder da sind ist das Gen auch nicht plötzlich aufgetaucht, ich glaube sogar so wie dein Geist “Arbeitsfutter” braucht, braucht meiner vielleicht “Heimchen am Herdfutter” (und dank Internet habe ich auch nicht das Gefühl “raus zu sein aus der Welt jenseits von Pipi und Kaka ). Ohne das Internet? Ich glaube ich würde mir sehr auf den Keks gehen. Oder wäre in VIELE Babykurse gegangen.

    Persönlich glaube ich (auch wenn ich grade gebloggt habe das ich glaube, dass Vereinbarkeit eine Lüge ist) das jeder selber schauen muss was er für sich und seine Familie richtig ist (und das kann sich ja auch ändern, nix ist starr).

    Fazit an alle da draußen (das geht nicht explizit an dich Jessika): Macht es doch so wie ihr es für richtig haltet und steht hinter eurer Entscheidung. (Und nicht vergessen, man darf seine Meinung auch ändern, wenn sich die Lebensumstände ändern.)

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  2. seinfeld
    04/03/2015 at 18:34 (3 Jahren ago)

    Danke für deinen Beitrag.

    Ich bewundere Alleinerzieher, die ohne familäre Unterstützung 40 Stunden arbeiten gehen und trotzdem ihr Kind großziehen.

    Ich arbeite auch wieder seit Jänner diesen Jahres. 20 Stunden. Es wird einem aber vom Arbeitgeber wirklich nicht leicht gemacht wieder in den Beruf einzusteigen. Mit den Teilzeitkräften haben sie bei uns keine Freude, aber lt Gesetz müssen sie uns wieder nehmen. Man hat zwar einen sicheren Job, aber entweder du richtest dich nach deren Einteilung , oder du kannst gehen.

    Ich bin zb sehr flexibel, da mein Mann Schichtarbeiter ist. Das heißt ich könnte auch 2x nachmittags arbeiten. Aber das wird auch nicht angenommen. Gut, dann arbeite ich eben brav meine 20 Stunden Vormittag ab. Spätestens um 8 (tztztz) muss ich auf meinem Platz sitzen. Büro. Keine wichtige Funktion. lt Vertrag haben wir Gleitzeit – ähm ja.

    Dennoch sollte man froh sein heutzutage noch einen Job zu haben, darum möchte ich auch nicht darauf herumreiten. Aber ich verstehe Mütter die sagen sie können Job und Kind nicht miteinander vereinbaren. Wenn die Krippe zb erst um 8 aufmacht,usw…..

    Und ich habe meine fast 2jährige Auszeit als langweilig empfunden. Ich hätte mich nach 3 Monaten wieder aufs arbeiten gehen gefreut. Mein Traum wäre es gewesen 1x die Woche für 4-5 Stunden ins Büro zu gehen. Aber das war bei uns nicht möglich. Leider.

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  3. Elke Peetz
    04/03/2015 at 20:29 (3 Jahren ago)

    Liebe Jessika,

    toller Artikel und erstmal herzlichen Glückwunsch zu der tollen beruflichen Chance!
    Ich finde, Du hast die gesamte Problematik in einem Satz gut auf den Punkt gebracht: Alles ist eben nicht möglich. Unsere Generation macht sich das Leben damit schwer, gleich zwei oder drei Lebensentwürfe verwirklichen zu wollen. Und wir haben nun einmal nur ein Leben zu leben.

    Genießen wir es, probieren Dinge aus, stellen fest, dass sie nicht zu uns passen, verändern wir uns oder unsere Lebensumstände, machen Fehler und Dinge richtig. All das heißt Leben. Und zum Glück brauchen Kinder keine perfekten Eltern, sondern menschliche.

    Alles Gute für Dich und Euch!
    Viele Grüße,
    Elke

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  4. Tina (vomwerdenzumsein)
    04/03/2015 at 21:34 (3 Jahren ago)

    Liebe Jessika,
    das habe ich wild nickend gelesen. Was mir besonders aus der Seele spricht: “Vereinbarkeit existiert nicht in Reinform.”.

    Das sehe ich auch so. Und dass du deinen Weg nicht heiligst – ich glaube, wenn das viel mehr Menschen machen würden, wären wir uns alle viel näher. Dann müssten wir nicht andere für ein Lebensmodell angreifen, dass nicht unseres ist, um das eigene zu rechtfertigen.

    Danke für diesen Beitrag und viele liebe Grüße
    Tina

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  5. Beate
    04/03/2015 at 22:14 (3 Jahren ago)

    Liebe Jessika,
    du möchtest gern, daß dein Lebensentwurf von anderen akzeptiert und respektiert wird. Das ist dein gutes Recht. Bitte respektiere dann aber auch andere Lebensentwürfe. Das Bild, daß du von der “Hausfrau” zeichnest, deren Radius sich nur um Heim, Herd und Kinder dreht ist wohl aus den 50ern und auch diffamierend. Auch “Nur”-Hausfrauen können durchaus geistig dabei bleiben und auch ihr Persönlichkeit entwickeln u.s.w. Nicht zuletzt sind es diese Frauen, nämlich die Mütter, Schiegermütter, Omas u.s.w. die durch ihre Unterstützung es Frauen wie dir erst möglich machen, sich selbst zu verwirklichen, indem sie auf ein großes Stück ihrer Selbstverwirklichung verzichten, die ihnen in ihrem Alter möglich wäre.
    Ich will hier nicht einen Lebensentwurf gegen den anderen aufwiegen, aber Respekt beruht auch immer auf Gegenseitigkeit.
    Zum Schluss noch eine Anmerkung: Ich bin seit vielen Jahren chronisch krank und bin deshalb schon sehr früh aus dem Arbeitsleben rausgefallen. Ich weiß, wie fatal es ist, wenn man seinen Selbstwert hauptsächlich aus seiner beruflichen Tätigkeit zieht, so wie ich es heute überall beobachte. Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute!

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    • Tina34
      22/03/2015 at 22:28 (3 Jahren ago)

      BRAVO für dieses Kommentar! Ich bin ebenfalls chronisch krank und Mutter. Eine Firma wird einen sofort entsorgen, wenn man nicht mehr nach Plan funktioniert und Leistung bringt (das vergessen nur die Meisten) – die Familie (Kinder) macht so etwas in der Regel nicht, da ist man eigentlich viel mehr wert und nicht einfach austauschbar wie im Job! Das man Hausfrauen ewig als verblödete Hausmütterchen hinstellt, ist absolut diskriminierend. Ich bin Informatikerin und programmiere als Hobby und baue uns ein Heimnetzwerk auf, befasse mich mit Robotik, bin politisch engagiert und interessiert und mein Radius ist bestimmt nicht weniger weit, als jener der Autorin! Ich bin mein eigener Chef, nicht austauschbar und definiere mich nicht über einen bezahlten Job, genieße die Zeit mit meinen Kinder, manage den Haushalt und habe Zeit für mich und meine Interessen. Ich habe kein Problem “nur” Hausfrau zu sein. Diese Frauen wollen Respekt für ihren Lebensweg, dann sollten Sie auch aufhören Hausfrauen so herabzuwürdigen …

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  6. Susanka
    05/03/2015 at 12:18 (3 Jahren ago)

    Danke. Endlich schreibt mal jemand, dass es nicht alles so locker flockig geht. Ich frage mich immer was ich falsch gemacht habe. Ich war die letzten Jahre halbtags arbeiten und war deswegen ein nervliches Wrack. Nach dem zweiten Kind und Umzug weiß ich jetzt gar nicht mehr wie ich jemals wieder eine Arbeit finden soll. Ich habe hier weder Familie, noch Freunde und mein Zeitfenster ohne Kids ist so stark eingeschränkt, dass ich keine neue Stelle mehr finde. Zumal ich mittlerweile gar nicht mehr wüsste, wie ich dann noch den Haushalt schaffen sollte. Das ist jetzt mit 4 Personen, Haus und Garten so viel, dass ich den ganzen Tag beschäftigt bin.

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  7. Andrea
    05/03/2015 at 14:02 (3 Jahren ago)

    Liebe Jessika,

    danke für einen ehrlichen Einblick.
    Ich finde auch, dass sich der Wunsch nach Karriere oder nennen wir es lieber beruflichem Erfolg und das “gute Mutter” sein nicht ausschließen. Zumal in solchen Diskussionen dann ja auch oft vergessen wird, dass da noch ein Partner oder eben ein familiäres Netz ist, dass einen hält.

    Mach also bitte weiter so – für uns Frauen und für unsere Töchter. Höre auf deinen Bauch und auch auf deine Wünsche – denn wie eine Vorrednerin oben eben so schön gesagt hat: Jeder muss selber schauen, was für sich und seine Familie richtig ist!

    Antworten
  8. Anke
    15/03/2015 at 21:46 (3 Jahren ago)

    Ich finde es gut, wenn ihr beide es schafft, Vollzeit arbeiten zu gehen. Aber die “üblichen Pflichten” solltet ihr dann ganz dringend auslagern! Eine legale Putzfrau, die idealerweie auch noch bügelt, ist eine Investition, die sich lohnt. Es ist nicht so teuer und auch noch absetzbar.

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