Warum ich meine Kinder impfen lasse – Pro Impfpflicht in Deutschland

Öffentlich über’s Impfen zu schreiben ist in etwa so waghalsig wie im neuen Bikini ins Haifischbecken zu springen. Ich wage diesen Sprung trotzdem, denn die aktuellsten Meldungen über den Wiederausbruch der Masern und erste Epidemien in deutschen Großstädten sind alarmierend.

Als ich mit Hannah schwanger war, kam ein Kollege auf mich zu und wollte meine Meinung zum Thema Impfen hören. Ich ließ ihn ausreden, denn ich ahnte bereits, dass nach einer kurzen Pause ein Nachsatz folgen würde, wie gefährlich das Impfen sei und dass sie (er und seine Frau) sich dagegen entscheiden würden, weil unzähliche Studien beweisen, dass das “durchmachen” der Krankheiten wesentlich weniger Risiken mit sich brächte, als die fatalen Folgen einer Impfreaktion. Ich beendete damals das Gespräch an genau dieser Stelle, noch bevor es eigentlich begonnen hatte. Denn ich bin wahrlich der falsche Gesprächspartner, wenn es um eine Impfdiskussion geht. Über derartige Notwendigkeiten, die schlichtweg in meiner Verantwortung als Mutter liegen, diskutiere ich nicht.

Eine Abwägung Pro oder Kontra Impfen ist überflüssig

Vielleicht eines vorweg: Ich lebe nach dem Motto “Leben und leben lassen”. Ich verurteile weder bestimmte Erziehungsstile, noch würde ich mir erlauben über den Umgang anderer Leute mit ihren Kindern zu urteilen. Beim Thema Impfen habe ich allerdings eine radikale Meinung. Wer mit dieser nicht umgehen kann, der möge bitte hier das Lesen beenden.

Ich bin als Kind komplett durchgeimpft worden. Und ich habe das gleiche bisher auch mit Emma gemacht. Natürlich setzt man sich als Mutter erstmals ernsthaft mit dem Thema Impfen auseinander, wenn das eigene Kind geimpft werden soll. Aber es stand für mich persönlich nie zur Debatte auch nur flüchtig abzuwägen, ob ich mein Kind einer Impfreaktion aussetze oder es, möglicherweise erst Jahre später, der Gefahr von Spätfolgen einer durchgemachten Erkrankung überlasse. Ich habe nicht mal, und das, obwohl ich ein Kind der Generation Google bin, darüber nachgedacht, mir die Risiken einer Impfung durchzulesen. Nicht Impfen stand nie zur Debatte. Punkt.

Es liegt in meiner Pflicht als Mutter diese verantwortungsvolle Entscheidung FÜR eine Impfung zu treffen. Für meine Kinder, für andere Kinder und am Ende für mich selbst.

Berlin erlebt derzeitig den heftigsten Masern-Ausbruch seit 2001. Schuld daran sind verhängnisvolle Impflücken, sei es aus Unwissenheit (viele der geimpften Kinder haben in den letzten Jahrzehnten nur eine der zwei notwendigen Impfdosen erhalten) oder aber aus absurden Überzeugungen. So titelt die Süddeutsche Zeitung mit ihrem aktuellen Artikel. Das Robert-Koch-Institut registrierte 375 Fälle von Masern in Berlin, 254 davon im Januar. Auch andere deutsche Großstädte sind betroffen. Tendenz steigend.

Quelle: Robert-Koch-Institut

Quelle: Robert-Koch-Institut

 

Masern-Parties und absurde Überzeugungen

Ich frage mich ernsthaft, wie so etwas heutzutage noch passieren kann. Sollten die Masern in Deutschland doch eigentlich 2015 ausgerottet worden sein, ist nun das traurige Gegenteil der Fall.
Und das offenbar, weil sich weiterhin absurde Theorien halten, dass Impfen bestimmte Krankheiten oder Allergien auslöse oder die Impfreaktionen weitaus schlimmer seien, als das “durchmachen” der Krankheit. Schließlich schade es ja nicht, das Immunsystem zu stärken.

Ich finde es unverantwortlich, dass in bestimmten Teilen Deutschlands, ja auch Berlins, richtige Masern-Parties und Co. veranstaltet werden, um die Kinder zu infizieren und eine “natürliche Immunität” aufzubauen. Das grenzt in meinen Augen an Körperverletzung. Wie kann ich als Mutter meinem Kind freiwillig, ja sogar mutwillig eine ernsthafte Kinderkrankheit zumuten?
Das Risiko einer Impfung ist tausend Mal so gering wie jenes für schwere Masern-Komplikationen.
Genauso unverantwortlich finde ich es, dass Eltern, die sich gegen die Impfung ihres Kindes entscheiden, andere Kinder einem zusätzlichen, vor allem aber unnötigen Risiko aussetzen.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich NICHT diskutieren, wie schlimm es aber Kinder getroffen hat, die eine schwere Impfreaktion erlitten und davon Schäden zurückbehalten haben.

Impfen eines herzkranken Kindes

Bis ich mit Hannah schwanger wurde, stand für mich das Abwägen der Risiken einer Impfung nie zur Diskussion. Nachdem Hannah mit ihrem schweren Herzfehler im Gepäck geboren war, stand ich unserem Kardiologen und Kinderarzt dann doch verunsichert gegenüber. Ich wollte sie auf der einen Seite keinem zusätlichen Risiko aussetzen, auf der anderen Seite sollte sie aber natürlich auch nicht unnötig eine Kinderkrankheit durchmachen müssen. Hannah’s Arzt klärte uns fair und vor allem transparent auf und überließ uns die volle Entscheidung, für oder gegen bestimmte Impfungen.
Und auch Hannah wurde am Ende gegen alles geimpft – außer gegen die Rota-Viren. Sie bekommt sogar zwischen Oktober und April aufgrund ihres Herzfehlers alle 4 Wochen eine Synargis-Impfung, die sie gegen den RS-Virus schützt (ähnlich einer Lungenentzündung).
Natürlich hat auch sie, wie ihre Schwester und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unzählige andere Kinder von einigen Impfungen Fieber bekommen. Weitaus dramatischer wäre es jedoch für sie, würde sie auch nur eine dieser bekannten Kinderkrankheiten bekommen. Und das, weil irgendjemand da draußen rumrennt, der aus Unwissenheit oder Überzeugung nicht geimpft wurde. Nein danke! Das will ich unter keinen Umständen.

Impfpflicht für Kinder

Ich lasse mich bei dem Thema Impfen nicht nur auf keine Diskussionen ein, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und fordere eine deutschlandweite Impfpflicht für Kinder. Das gab es in Deutschland zum Beispiel bereits für die Pocken. Warum ist es heutzutage, unter Zugrundelegung der Statistiken aktueller Masern-Erkrankungen, nicht möglich, eine Impfpflicht für die gängisten Kinderkrankheiten einzuführen und die Kinder von Kita und Schule bei Nichteinhaltung auszuschließen? So fordern es Ärzte bereits seit Jahren. Das würde zumindest die Debatte um das Für und Wider einer Impfung im Keime ersticken. Aber so lange das in diesem Fall fragwürdige Recht auf Selbstbestimmung höher gewichtet ist als die (soziale) Verantwortung für seine eigenen Kinder bzw. die Gefährdung anderer Kinder, werden wir wohl weiterhin von Masern-Epidemien und ähnlichen Ausbrüchen lesen müssen. Oder aber zusehen müssen, wie unsere Kinder eine Krankheit durchmachen, die aufgrund einer einfachen Impfung vermeidbar gewesen wäre.

8 Kommentare on Warum ich meine Kinder impfen lasse – Pro Impfpflicht in Deutschland

  1. An-Kas
    19/02/2015 at 23:17 (4 Jahren ago)

    Ich teile Deine Ansicht zu 100% Nicht zu impfen halte ich für unverantwortlich und würde mir auch eine Impfpflicht wünschen. Bin mal gespannt, ob sich hier auch in Kürze Impfgegner einfinden werden, und Du in Kommentaren dazu versinkst…LG, Anke

    Antworten
  2. Ankäre
    20/02/2015 at 07:31 (4 Jahren ago)

    Masernparties? Krank!!

    Du hast absolut recht mit deiner Einstellung. Die Impfung gehört mit zu DEN Errungenschaften unserer Zivilisation und es ist unverantwortlich, seine und vor allem fremde Kinder der Gefahr schwerer Erkrankungen auszusetzen.

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  3. Rudi
    20/02/2015 at 08:04 (4 Jahren ago)

    Ich finde Deine Haltung richtig. Und Ankäre muß ich nichts hinzufügen.

    Antworten
  4. Anna (Familie Motte)
    20/02/2015 at 09:30 (4 Jahren ago)

    Gleich vorweg: ich teile Deine Meinung in vielen Punkten und finde auch, dass Impfen wichtig ist. Dennoch finde ich es wichtig, dass man nicht einfach blind impft, sondern sich mit dem Thema beschäftigt und vernünftig darüber informiert. Die meisten Impfungen halte auch ich für unverzichtbar und finde solche Dinge wie Masernpartys ebenfalls verantwortungslos und dumm.

    Dennoch gibt es Impfungen, denen ich im Kleinkindalter kritisch gegenüberstehe: Hepatitis B zum Beispiel. Warum muss bereits ein Säugling dagegen geimpft werden, zumal die Hauptansteckungsgefahr über Geschlechtsverkehr ausgeht. Versteh mich nicht falsch: eine Impfung halte ich für sinnvoll, jedoch noch nicht im Säuglingsalter. Genau aus diesem Grund halte ich es eben auch für wichtig, dass man sich als Eltern über jede einzelne Impfung ausführlich informiert.

    Grundsätzlich aber ist es tatsächlich der Medizin und den Impfstoffen zu verdanken, dass lebensbedrohliche Krankheiten wie z.B. Polio mittlerweile in Deutschland ausgerottet sind. Und das sollte man sich unbedingt vor Augen führen.

    Natürlich haben alle Eltern Angst dass Spätfolgen des Impfens auftreten können. Als wir uns mit dem Thema beschäftigt haben, habe ich auch gemerkt, welch große Verantwortung wir nun tragen: wir entscheiden das für einen anderen Menschen. Und wir haben für unsere Maus mit besten Absichten entschieden.

    Ich habe übrigens kürzlich in einer Gruppe von “Nicht-Eltern” gestanden, die mich alle ganz verwundert angeschaut haben, als ich erzählte, dass das Thema “Impfen” in Eltern-Kreisen sogar zu Mommy Wars führt. Die Reaktion: “warum sollte man denn nicht impfen? Ist doch verantwortungslos zu wollen, dass sein Kind krank wird”…

    In diesem Sinne: Liebe Grüße, Anna

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    • Jessika Rose
      20/02/2015 at 09:38 (4 Jahren ago)

      Liebe Anna!

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich teile deine Ansicht absolut. Sich über Impfungen zu informieren gehört genauso zur Verantwortung von Eltern, wie die Tatsache, seine Kinder eben NICHT aufgrund von wilden Impfgegner-Theorien einem unnötigen Risiko auszusetzen. Bei meiner geforderten Impfpflicht rede ich tatsächlich auch nur von den bekannten und “schlimmen” Kinderkrankheiten. Ob man gegen Windpocken, Rota-Viren oder ähnliches impfen MUSS, stelle ich gar nicht zur Diskussion.
      Ich finde es nur unverantwortlich und tatsächlich auch dumm, aufgrund wilder Theorien eben solche notwendigen Impfungen abzulehnen.

      Antworten
    • Anonymous
      20/02/2015 at 10:07 (4 Jahren ago)

      “Grundsätzlich aber ist es tatsächlich der Medizin und den Impfstoffen zu verdanken, dass lebensbedrohliche Krankheiten wie z.B. Polio mittlerweile in Deutschland ausgerottet sind. Und das sollte man sich unbedingt vor Augen führen. ”

      Diese Aussage ist leider nicht korrekt. Eine Krankheit ist nur solange “ausgerottet”, solange es eine genügend hohe Durchimpfungsrate gibt. Die ist abhängig von der Erkrankung und liegt zumeist bei 90-95%.
      Das liegt daran, dass wir kein abgeschlossenes System sind (internationaler Flugverkehr, Flüchtlinge etc), sondern ständig vereinzelt Erreger zu uns nach Deutschland kommen.

      Just my 2 cents als Ärztin.

      Jessikas Artikel kann ich nur voll unterstützen – als Ärztin und Mutter.

      LG Sandra

      Antworten
  5. Anna (Familie Motte)
    20/02/2015 at 13:28 (4 Jahren ago)

    Liebe Sandra,
    danke, dass Du meine Äußerung noch einmal relativiert hast. Ich habe mich tatsächlich etwas missverständlich ausgedrückt. Ich wollte lediglich sagen, dass wir glücklich sein können, dass solch gefährliche Kinderkrankheiten heute nur noch selten auftreten, und dass wir dies den Impfungen zu verdanken haben. Dass die Impfung gegen diese Krankheiten – aufgrund der von Dir angesprochenen Gründen – weiterhin wichtig bleibt, steht für mich dabei außer Frage 🙂

    Liebe Grüße, Anna

    Antworten
  6. Anonymous
    21/02/2015 at 22:43 (4 Jahren ago)

    Hallo!
    Ich bin auch ganz klar für das Impfen und finde es mehr als bedauerlich, dass sich mittlerweile wieder so viele Leute/Eltern dagegen entscheiden. Ich meine, wir schnallen uns und unsere Kinder im Auto doch auch an, obwohl in den allermeisten Fällen kein Unfall passiert… Ich hatte als Kind die Masern (wurde nicht geimpft, weil meine Mutter sich auch vor 31 Jahren von irgendwelchen möglichen Impfschäden hat verunsichern lassen) und ich kann nur sagen, dass das Wort ” Kinderkrankheit” absolut unangebracht dafür ist. Man macht die Hölle durch und das wollte ich meiner Tochter unbedingt ersparen. Ich kann mir auch nicht erklären, wie man sein Kind absichtlich mit dieser Krankheit infizieren kann. In vielen Ländern wären die Menschen froh, wenn sie sich und ihre Familie impfen lassen könnten, um einem möglichen Tod zu entgehen und hier lehnen wir eine solche (kostenlose!) Möglichkeit ab…schon verrückt, dass es einer Gesellschaft scheinbar so gut geht, dass sie sich kranke Kinder wünscht.
    Klar, gibt es Impfschäden in ganz seltenen Fällen und es ist für die Betroffenen sicherlich sehr schlimm, aber es überwiegt trotzdem der Nutzen für den Einzelnen und besonders für die Allgemeinheit!

    Danke, für den guten Artikel!

    Viele Grüße
    Anne

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