Versucht, hinter mein Lachen zu schauen und reicht mir eine Hand!

Das Deutsche Herzzentrum in Berlin

Manchmal möchte ich ganz viel sagen. Doch dann schweige ich. Weil mein Herz und mein Kopf zu durcheinander sind. So wie heute. Jetzt.
Ich habe Angst. Angst, die sich gar nicht in Worte fassen lässt. Vor einigen Tagen hat mich die Angst nachts panisch werden lassen. Ich lag neben Hannah und merkte, wie es mir die Kehle zuschnürte und mir die Tränen einfach so liefen. Schlimme Gedanken legten sich in der Nacht wie ein böser Schleier über mich, nahmen Besitz von mir.

Gestern waren wir zur vorstationen Aufnahme im Krankenhaus. Ich glaubte, all meine Dämonen würden vor mir aufgereiht an der Eingangstür des Herzzentrums stehen und mich in Empfang nehmen.

Aber ich wurde überrascht. Nach einem warmen <<Herzlich Willkommen>> erkundigte man sich nach meinem, unserem Wohlbefinden. Das war irritierend. Aber es fühlte sich gut an. Seit der Diagnose und noch vielmehr, seit Hannah auf der Welt ist, ist das allerwichtigste, wie es ihr geht. Das eigene Wohlbefinden tritt dahinter zurück. 

Ich bin mir nicht sicher, ob jemand, der es nicht selbst erlebt hat, nachempfinden kann, was in mir vorgeht. Nach außen wahre ich den Schein, versuche meine Angst zu kontrollieren und mein Umfeld nicht zu sehr damit zu belasten. Vielleicht ist es aber einfach auch nur der dämliche Stolz, nicht schwach und verletzlich zu sein. Das letzte Stück Kontrolle, das mir geblieben ist.
Ich spreche die Gedanken nicht aus, kann diese Angst nicht in Worte fassen, ihr kein Gesicht geben. 

Ich frage mich so oft, wie ich das ertragen soll. Die Sorge. Diese grenzenlose Angst, die mich in mir selbst gefangen nimmt. Und die Hilflosigkeit. Es zerreißt mich manchmal. Und dann möchte ich laut schreien. Und weglaufen. Aber all das bringt nichts. Also ertrage ich es. Weil ich es ertragen muss. Weil es gar keine Alternative gibt. Aber ich bin nicht mehr die, die ich mal war. Und werde nie mehr sein, wie ich heute bin.

Auch wenn ihr es nur erahnen könnt. Versucht mich zu verstehen. Auch wenn ich manchmal anstregend oder sogar unerträglich bin. Seid verständnisvoll. Reicht mir eine Hand, auch wenn ich sie nicht greifen kann. Glaubt mir nicht, wenn ich sage, dass alles ok ist. Ich kämpfe meinen schwersten Kampf. Gegen die Angst und das Gefühl, hilflos zu sein. Seid einfach da und versucht, hinter mein Lachen zu schauen. Und helft mir, für einen Moment alles um mich herum vergessen zu können. Diese Momente sind so rar, aber sie geben mir unendlich viel Kraft. Und ich wünschte in diesen Augenblicken, die Zeit anhalten zu können.

Geliebt zu werden macht uns stark. Zu lieben macht uns mutig. Laotse

Morgen Nachmittag müssen wir wieder ins Herzzentrum. Und dann bleiben wir. Zusammen mit all meinen Dämonen: Der Ungewissheit, der Ohnmacht, der Angst, der Einsamkeit und der Hilflosigkeit.
Ich wünschte, es wäre schon Dienstag… Nein, ich wünschte, wir wären schon wieder zu Hause. Glücklich.  

11 Kommentare on Versucht, hinter mein Lachen zu schauen und reicht mir eine Hand!

  1. FloConNiDa
    16/08/2014 at 11:12 (5 Jahren ago)

    HALLO!<br /><br />Darf ich Dich unbekannter Weise ganz fest drücken! <br />Alles Liebe Euch♡♡♡♡.<br />LG Nicole

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  2. Anonymous
    16/08/2014 at 11:35 (5 Jahren ago)

    Ich kann nur ansatzweise erahnen wie du dich fühlst und ich schicke dir ganz viel Kraft und bete, dass ihr bald schon wieder zu Hause seid … glücklich und wieder unbeschwert und frei lachen könnt mit eurer Maus! ♡♡♡♡<br />LG Sandra

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  3. <br />Wir kennen uns nicht, sind uns nie begegnet, aber ich lese und leide mit. Nein, das stimmt nicht ganz, ich kann es nur erahnen, Eure Panik, Eure Angst, Eure Dämonen- erahnen weil ich Mama bin. Und doch will ich Dir/Euch unbekannterweise alle Hände reichen, Euch einfach nur drücken, vielleicht zuhören, trösten, Kraft wünschen. <br />Alles Liebe, nein das allerbeste für Euch, alle Kraft der

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  4. Mama notes
    16/08/2014 at 13:07 (5 Jahren ago)

    Vielen Dank für das Teilen Deiner Gedanken und den Blick &quot;dahinter&quot;. Ich kann nur erahnen, wie heftig und beängstigend das alles sein muß, aber es schnürt mir die Kehle zu. Ich reiche Dir meine Hand. Lass Dich aus, bei Twitter, im Blog. &quot;Wir&quot; sind da. Und denken an Dich. &lt;3

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  5. perlenmama
    16/08/2014 at 13:30 (5 Jahren ago)

    Ich reiche dir auch meine Hand. Auch wenn ich es bestimmt nicht so gut verstehen kann wie jemand, der durch dieses Tal gehen musste oder muss, so fühle ich mit dir, mit euch. Ich drücke euch alle verfügbaren Daumen, dass alles gut wird.<br />Die perlenmama

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  6. Jessica
    16/08/2014 at 15:05 (5 Jahren ago)

    Ich kann deine Gedanken so gut verstehen,vor fast genau 2 Jahren hatte ich sie auch. Ich hab zwar kein Herzkind,aber meinem Sohn haben sie einen Tumor von 960ml entfernt,keine Woche später war der zweite dran. Ich denke viel an deine Maus,auch an dich.Ich weiß das die kommenden Tagen schlimm werden,ich schick euch Kraft und reiche dir gerne meine Hand!

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  7. Anonymous
    18/08/2014 at 08:39 (5 Jahren ago)

    Hallo, ich bewundere deine Ehrlichkeit, deine Kraft und auch deine Schwäche! Fühl dich ganz fest gedrückt und halte durch, ihr schafft das!<br />Kathrin

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  8. Jara
    18/08/2014 at 11:07 (5 Jahren ago)

    Ich reich Dir meine Hand , drück die Daumen für morgen und denke viel an euch. Niemand kann erahnen wie es euch jetzt gehen muss, niemand weiß was für ein innerer Kampf das nun ist, gegen die Angst.<br />Fühl Dich fest umarmt

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  9. Anonymous
    24/08/2014 at 14:25 (5 Jahren ago)

    Ich denke an euch und warte gespannt auf eine Meldung von euch.

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  10. Anonymous
    25/08/2014 at 19:20 (5 Jahren ago)

    &lt;3 &lt;3 &lt;3 &lt;3 &lt;3 &lt;3 &lt;3 &lt;3 &lt;3 &lt;3

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  11. Anonymous
    03/09/2014 at 18:46 (5 Jahren ago)

    Ich kann dich und deine Gefühle so gut verstehen wir sind in der gleichen Situation müssen jeden Monat ins Krankenhaus zur Kontrolle mit der Hoffnung das es unserer Maus gut geht und sie nicht wieder so schlimmes durchmachen muss ich Denk ganz fest an euch.

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