Mutmachparade – Mut steht am Anfang, Glück an Ende.

Heute Früh lag ich auf dem Krankenhausbett, bäuchling, das iPhone in der Hand und scrollte durch meine Facebook-Timeline. Ich blieb bei den Worten wir sind in die welt gestellt um zu leben von der lieben Anna von berlinmittemom hängen. Ich las ihre unheimlich berührenden Worte über Mut, die Teil der #mutmachparade sind, zu der Johannes Korten in seinem Blog Jazzlounge aufgerufen hatte. Ich dachte nach, schluckte, nickte immer wieder zustimmend und fühlte mich als Teil der Frage, was Mut eigentlich ist.

Wir sind in die Welt gestellt, um zu leben. Ja. Das könnte eigentlich DER Spruch sein, der mir täglich Mut machen sollte.
Anna’s Gedanken, oder vielmehr die Worte ihrer Mutter haben mich den ganzen Tag nicht mehr losgelassen. Immer wieder habe ich mich gefragt, was Mut ist, was es bedeutet mutig zu sein.

Ich stecke irgendwie mittendrin. Gerade jetzt. Im Krankenhaus. Meine 4 Monate alte Tochter hat einen schweren Herzfehler, der zu allem Überfluss auch noch eine seltene Ausprägung hat. Die Worte des Kardiologen “Sie hat ein erhöhtes Risiko am plötzlichen Herztod zu sterben. Schieben Sie nichts auf die lange Bank. Jeder Tag könnte der letzte sein.” haben sich unauslöschbar in mein Leben eingebrannt. Mit diesem Wissen sein Kind zu lieben und jeden Tag zu erleben mag für Außenstehende mutig sein. Oder tapfer. Oder einfach nur meine Aufgabe, um es mal ganz platt zu sagen.

“Eine Krankheit kann man nicht bekämpfen, man muss mit ihr leben lernen und annehmen, was sie bringt. Man muss entschlossen sein, zu leben. Das hat nichts mit Kampf zu tun. (…) Man tut, was man tun muss und was man tun kann. Fertig.”

 

Mut und Angst sind untrennbar  

 

Ich habe mich vor ziemlich genau 8 Monaten entschieden, mein Baby zu bekommen. Nach einer gefühlt wochenlangen Achterbahnfahrt aus Diagnosen, Tests, Arzttermin und trotz schwerem Herzfehler mit im Grunde guten Prognosen, aber ohne zeitliche Gewähr. Ich habe mich bewusst entschieden, meine Tochter in diese Welt zu begleiten. DAS war mutig. Denn ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Ich musste sogar 4 lange Monate in der Schwangerschaft ausharren und hinnehmen, dass ich erst wissen würde, wie schwer es sie getroffen hat, wenn sie das Licht der Welt erblickte. Und ich hatte verdammte Angst. Ich habe immer noch verdammte Angst, weil alles was vor mir liegt, nicht greifbar ist. Aber ich muss da durch, denn ICH habe diese Entscheidung getroffen. “Man tut, was man tun muss und was man kann. Fertig.” So sagte es Anna’s verstorbene Mutter und genau das lese ich auch aus den Zeilen von Frau Heike. Mit Mut hat das alles nichts zu tun. Zumindest nicht für uns, die mittendrin stecken. 

Ich überlegte also seit heute Morgen, was Mut nun wirklich ist. Wenn es für mich persönlich nicht die Tatsache ist, dass ich am Krankenbett meines eben aus der Narkose erwachten Babys sitze und sie anlächle, statt einfach drauf los zu heulen, weil es verdammt noch mal beschissen ist, als Mutter einer solchen “lebenslangen” Situation mit Krankenhausaufenthalten, Operationen und dem Tanz auf ganz dünnem Eis ausgesetzt zu sein. Was ist es dann? Was andere mutig nennen, mag für mich keine große Leistung sein. Und umgekehrt. Und das macht die Sache mit der Anerkennung auch so schwer. Es gibt kleine Helden, zum Beispiel meine 3-jährige Tochter, die mich einmal an die Hand nahm und mich sicheren Schrittes durch einen dunklen kellerartigen Gang manövrierte und große, ohne deren Mut andere nicht mehr da wären. Das macht Mut so einzigartig und zu etwas, für das man ein Schulterklopfen verdient hätte. Aber niemand, der mutig ist, erwartet das oder tut das gar aus diesem Grund. Diese Definition macht mich irgendwie nicht wirklich zufrieden. Also grübelte ich weiter.

Wir alle sind mutig, denn wir leben. Und lieben. Und vertrauen.

Vorhin, unter der Dusche, zugegeben dem Ort, an dem ich am besten mit meinen Gedanken abschweifen kann, wusste ich dann plötzlich was mutig ist: Das Leben zu leben. So wie es ist. Und was noch viel mutiger ist: Zu lieben! Denn wenn wir lieben, öffnen wir uns, überwinden jede Angst und nehmen es in Kauf, verletzt und enttäuscht zu werden. Wir vertrauen. Dem Leben. Der Liebe. Oder einfach nur uns selbst. Wir alle wissen, dass das Leben begrenzt und die Liebe zerbrechlich ist. Und dennoch leben und lieben wir. DAS IST MUTIG!

Mut steht am Anfang, Glück an Ende

Ich für mich bin genauso mutig wie alle anderen. Ich habe keine Auszeichnung verdient, weil ich besonders tapfer bin oder besonders viel ertragen muss. Ich habe heute zwar mehr Angst als noch vor Jahren, nein was sage ich, als noch vor 9 Monaten, als ich gar nicht ahnte, wie sich mein Leben verändern würde. Aber ich lebe mein Leben. Ich gehe Wege, die ich noch nie ging. Mit wackligen Beinen und ziemlich viel Angst im Gepäck. Und mit jedem Schritt bin ich mir darüber bewusst, dass ich in eine Sackgasse laufen könnte, Fehler mache, hinfalle oder mich verletze. Aber ich vertraue, laufe weiter, so wie wir alle weiterlaufen im Leben. Und ich liebe. Auch wenn ich weiß, wie schmerzhaft es ist, sein Herz zu öffnen und zuzulassen, verletzt zu werden. All das ist verdammt mutig von mir, weil ich täglich das Risiko eingehe, Fehler zu machen und zu verlieren. Im Leben und in der Liebe. Aber es macht mich glücklich. Trotzdem oder gerade deswegen. Und das ist der Preis, für den es sich lohnt, mutig zu sein.

Was bedeutet Mut für euch? Kommentiert hier oder macht mit bei der Mutmachparade!

Hier könnt ihr lesen, was andere BloggerInnen im Rahmen der #mutmachparade schreiben:

Mama notes:: Gedanken über Angst, Mut und Heldentum
berlinmittemom:: wir sind in die welt gestellt um zu leben
Mama arbeitet:: Mut, Angst, Grenzen und Oma hatte doch Recht
Jazzlounge:: Von der Luft, die trägt
Werden und Sein:: An die Sonne glauben können
Frau Heike:: Mut ist wenn man auch weglaufen könnte

2 Kommentare on Mutmachparade – Mut steht am Anfang, Glück an Ende.

  1. Yummy Mummy
    28/05/2014 at 11:10 (5 Jahren ago)

    Wunderbare Worte und Gedanken, die du hier gefunden hast.Dein Post hat mich sehr berührt! Und wie auch ich in meinen Überlegungen bist du am Ende zu dem Punkt gekommen, was dich glücklich macht im Leben und für was es sich lohnt, mutig zu sein. In diesem Sinne der Aufruf an alle: open your heart…

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  2. Ivi
    09/07/2014 at 15:21 (5 Jahren ago)

    Ich habe gerade von Euer Minifamilie in einer Zeitschrift gelesen und wollte eigentlich nur nachschauen, ob es schon Neuigkeiten gibt, da wir ja schon Juli haben. Ich drücke alle erdenklichen Daumen, die ich habe (wir haben morgen auch eine Pipi-OP bei einer unserer Töchter vor uns) und hoffe, dass alles gut läuft.<br />Ganz liebe Grüße unbekannterweise aus dem Süden von Dtl.

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