Haare färben mit Krepp-Papier

Das Muttersein und der damit verbundene Erziehungsauftrag kollidieren ja so manches Mal mit dem Spaß, den man in seiner eigenen Jugend hatte. Montag zum Beispiel erzählte mir Emma, dass zwei Mädchen in ihrer Klasse eine gefärbte Haarsträhne hätten. Wir lagen beide im Bett: Sie – völlig begeistert und mit dem kindlich-mädchenhaften Neid einer Sechsjährigen. Ich – ehrlich gesagt in der ziemlich desolaten Zwickmühle aus mütterlicher Empörung („Das sind doch noch kleine Kinder!“), sich aufdrängender Belehrung („Weißt du, wie ungesund Haare färben ist und wie sehr du deinen wunderschönen Haaren damit schadest?“) und der aufsteigenden Euphorie, ihr davon zu erzählen, wie ich mir als Jugendliche die Haare bunt färbte. Ich weiß auch nicht warum, aber ich ging durch Tor 3, sah in funkelnde Mädchenaugen und erzählte meiner Tochter, wie ich mir vor Jahren die Haare mit Krepp-Papier färbte.

Ich war damals etwa 13, kaufte mir regelmäßig die Mädchen und die Bravo Girl und stieß irgendwann in einer der Zeitschriften auf eine Anleitung, wie man sich ganz ohne Haarfärbemittel – nämlich mit Krepp-Papier – die Haare färben konnte. Das war mein Segen, denn mit 13 hätte meine Mutter mir einen Vogel gezeigt, wenn ich mit der Idee um die Ecke gekommen wäre, meine blonden Haare färben zu wollen. Ich glaube, ich habe sie damals sogar noch um Erlaubnis gebeten. Blöderweise erteilte sie mir nie eine echte Erlaubnis, aber auch nie ein Verbot. Sie sagte immer: „Tu, was du nicht lassen kannst, aber lebe mit den Konsequenzen.“ Wahlweise war es auch „Tu, was du nicht lassen kannst, aber brich dir nicht die Knochen!“ Im Falle des Haarefärbens konnte ich das Eintreffen dieser Eventualität ziemlich sicher ausschließen. Und in der Zeitschrift stand ja schließlich auch, dass sich die Farbe nach wenigen Haarwäschen wieder auswäscht.

Das Prinzip ist ziemlich simpel:

Man wickelt Krepp-Papier um eine Haarsträhne, macht es nass, wickelt alles in Alufolie ein und wartet ca. 1-2 Stunden, bis sich die Farbe des Krepp-Papiers auf die Haare übertragen hat.

Das benötigt ihr:

  • Krepp-Papier (ca. 50Cent – 1€ / Rolle) – es genügt aber auch ein ca. 5cm breiter Streifen!
  • Alufolie
  • Latexhandschuhe – sonst gibt es bunte Finger!
  • Ein buntes Handtuch zum Abdecken der Kleidung
  • Eine kleine Schüssel mit Wasser

Kosten:

  • Weniger als 1€ für ein paar Strähnen

Dauer:

  • Vorbereitung und Durchführung ca. 3 Minuten
  • Einwirkzeit: ca. 1-2 Stunden
  • Haltbarkeit: ca. 3-5 Haarwäschen

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Schritt für Schritt Anleitung:

1. Zuerst die Schultern mit dem Handtuch abdecken und dem Kind erklären, dass man einen hin und her zappelnden Kopf nicht färben kann.
2. Trennt eine Haarpartie ab und feuchtet die ausgewählte Strähne an.
3. Umwickelt die Haarsträhne mit dem Krepp-Papier und feuchtet diese erneut mit Wasser an. Seid hier ruhig großzügig mit dem Wasser, denn das Krepp-Papier muss nass sein, damit sich die Farbe auf die Haare überträgt.

Haarefärben mit Krepp-Papier

4. Wickelt nun die Alufolie fest um das Krepp-Papier.
5. Weil alles tropfte und triefte, habe ich ein Küchenpapier um die Alufolie gelegt und eine zweite, trockene Alufolie um alles gewickelt.

Haarefärben mit Krepp-Papier

6. Und nun heißt es warten…und spielen…und essen…und spielen…

Haarefärben mit Krepp-Papier

7. Nach ca. 1-2 Stunden kann alles vorsichtig abgewickelt werden.

Aber passt gut auf! In der Alufolie schwimmt noch buntes Wasser, das fiese Flecken hinterlassen kann!

Haarefärben mit Krepp-Papier

8. Fertig: Die Dame trägt nun pink an blond und bemerkte stolz wie trocken: „Mama, ich habe jetzt so pinke Haare wie eine Barbie!“

Haarefärben mit Krepp-Papier

Fazit:

Ich sehe es nach wie vor kritisch, wenn bereits Kinder ihre Haare färben oder tönen. Das Haarefärben mit Krepp-Papier hat mich allerdings schon vor 20 Jahren fasziniert. Es ging schnell, war günstig und mit Hilfsmitteln zu erreichen, die für Kinder erlaubt sind. Ich habe das damals 2-3x gemacht. In grün, blau, rot, pink. Und dann nie wieder. Emma hat nun eine pinke Strähne, die bald wieder ausgewaschen sein wird. Ist das nun gut und richtig, dass eine Sechsjährige eine pinke Strähne bekommt? Das kann man sehen, wie man will. Geht davon die Welt unter? Definitiv nicht! Manchmal ist es gar nicht verkehrt, als Mutter auch einfach nur ein bißchen Spaß zu haben und gemeinsam mit dem Kind die eigene Vergangenheit wieder zu entdecken.

2 Kommentare on Haare färben mit Krepp-Papier

  1. Sandra
    23/11/2016 at 07:37 (10 Monaten ago)

    Hallo Jessika

    Einfach toll… ich glaube, genauso wirst du als Mutter auch zur Freundin von Emma…

    Toll, wenn nicht immer nur der Verstand die Erziehung bestimmt!

    Liebe Grüsse und vielen Dank für all die Beiträge mitten aus eurem Alltag… mitten aus dem Leben… mitten aus dem Herzen…

    Sandra

    Antworten
  2. Mama 2.0
    23/11/2016 at 08:51 (10 Monaten ago)

    Schön, dass du ihr so easy diesen Wunsch erfüllt hast! „Sei Pippi, nicht Anika“ 🙂 alles richtig gemacht. Liebe Grüße!

    Antworten

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